Kurzer Überblick über die Geschichte von Stadt und Kloster Ochsenhausen in OberschwabenVom Aufstieg und Fall des Konvents![]() Klosterkirche Ochsenhausen (1979) Die eigentlichen Anfänge der heutigen Stadt Ochsenhausen verlieren sich, wie so häufig, im Dunkel der Geschichte und sind sagenhaft. So sollen Bauern am Ende des 11. Jahrhunderts beim Pflügen mit Ochsen einen vergrabenen Kirchenschatz gefunden haben, welcher aus der Zeit der Ungarnkriege herrührte und der aus einem Nonnenkloster stammte, das vormals in Ochsenhausen stand. Dies sei Anlass der Klostergründung gewesen und habe zum Ortsnamen geführt. Der Ort selbst dürfte jedoch mehrere Jahrhunderte älter und früher, nach Geisenhof, Hohenhusen genannt worden sein. Die erste Gründung eines kleinen Klosters soll um 1093 n.d.Z., als Außenstelle des Klosters Sankt Blasien im Schwarzwald, erfolgt sein. Auf dieses Jahr hat sich jedenfalls die offizielle Geschichtsforschung momentan geeinigt. Da sich der Reichtum und Landbesitz des Klosters Ochsenhausen durch Stiftungen und Ausbeutung der Untertanen stetig vermehrte, erfolgte im Jahre 1391 die Loslösung von Sankt Blasien und die Klosterherrschaft wurde ca. hundert Jahre darauf Reichsunmittelbar. Der Neubau der, in seiner Grundsubstanz im Wesentlichen erhalten gebliebenen, spätgotischen Klosterkirche erfolgte von 1489-1495. Kurz darauf, im Jahr 1502 ereignete sich der Höhepunkt der einzig erwähnenswerten Episode von überregionaler Bedeutung in der klösterlichen Geschichte von Ochsenhausen. Die steigende Unterdrückung und Ausbeutung seitens der Klosterherrschaft einerseits brachte, in Verbindung mit der langsam anwachsenden Information und Aufklärung (auch der ländlichen Bevölkerung) verursacht durch den Buchdruck und seine Folgen andererseits, die offene Konfrontation zwischen Herrschenden und Beherrschten auf Ochsenhausener Gebiet. Die Unterdrückten bewaffneten sich und bildeten eine Rotte. Auch der Abt des Klosters rief die bewaffnete Schutzmacht Ulm und den Schwäbischen Bund, dessen Mitglied er war, zur Hilfe. Zu Kampfhandlungen kam es jedoch nicht, der provisorisch bewaffnete Bauernhaufen wäre wohl auch von den Profi-Soldaten des Bundes schnell abgeschlachtet worden, hätte er sich zum Kampf gestellt. Entscheidender war, daß die Bauern auch juristische Schritte gegen das Kloster eingeleitet hatten. Ein unerhörter Vorgang zu jener Zeit. Journalismus gab es zu dieser Zeit zwar noch nicht, wohl aber
gedruckte Flugschriften in großer Zahl, die bereits nach wenigen
Wochen weite Kreise der Bevölkerung erreichten. Ein nicht zu
unterschätzender Faktor, denn wer glaubt, daß damals fast das ganze
Volk zu den Analphabeten zählte, nur weil Schulen selten waren,
wirft ein bezeichnendes Licht auf seinen eigenen "gesunden
Menschenverstand". Nicht nur für Krämer und Kaufleute, sondern auch
für jeden selbständigen ("freien") Bauern war die Kunst des Lesens
ein Vorteil, und die örtlichen Richter z.B. waren ansässige Bauern,
unvorstellbar bei Analphabeten, da schon das "neue" (römische)
neben dem "alten" (germanischen) Recht galt, was die Juristerei mit
ihren Aktenbergen zum Blühen brachte. Dafür spricht auch, daß zum
Beispiel in Skandinavien, wie Holz- und Tierknochenfunde mit
geritzten Runeninschriften vom frühen Mittelalter bis ins 19.
Jahrhundert hinein in großer Zahl belegen, die Schriftkunde bei
Männern wie Frauen weit verbreitet war. Es ist unwahrscheinlich,
daß die Verhältnisse in Mitteleuropa anders gewesen sein
sollten. Leider waren diese Flugschriften nach langem Lauf durch viele
Hände auch noch für andere Dinge nützlich, so sind die wenigsten
erhalten geblieben und es ist nicht nachgewiesen, ob es solche zu
den Ochsenhausener Vorfällen gab, jedoch schon die bloße
Möglichkeit dürfte die Herren geängstigt haben. Über die seit der Reform von 1500 zum "Schwäbischen Kreis"
gehörende Reichsabtei Ochsenhausen wird in den "Reichsmatrikeln von 1521" angegeben, daß die
Klosterherrschaft für einen Heereszug nach Rom 3 bewaffnete Reiter
und 13 Fußsoldaten sowie 155 Gulden beizutragen hatte. Als Hilfe gegen die Türken waren im Jahr 1532 an
Bewaffneten 6 zu Roß und 26 zu Fuß für das Reichsheer
aufzubieten. Die 1605 erfolgte Verleihung des Marktrecht´s brachte eine
kräftige Belebung des Handels im "Marktflecken" (noch in den
sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts ging man nicht in die
"Stadt", sondern in den "Flecken"). Im Jahr 1700 wurde in Ochsenhausen Josef Gabler († 1771) geboren, ein bekannter Orgelbaumeister. Eine seiner, bis dahin zwei, nahezu vollständig erhaltenen originalen Orgeln konnte man, bis zu ihrer mutwilligen Zerstörung durch eine "Restaurierung" in den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts, in der Klosterkirche bewundern. Nicht nur deshalb ist die zuständige Denkmalschutzbehörde in Ulm seit langem Gegenstand heftiger Kritik. Nach dem Sieg der Revolutionäre in Frankreich am Ende des 18. Jahrhunderts sammelten die geflüchteten königstreuen Kräfte in Deutschland mit Unterstützung des Reiches eine Armee zum Gegenschlag. Aus dieser bekam auch Ochsenhausen eine Garnison. Die kleine Truppe war in der heutigen "Kasernengasse" in einem Gebäude untergebracht, auf dessen ehemaligem Exerzierplatz im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts in höchst sensibler Weise ein großes Geschäftshaus errichtet wurde. Der Umgang mit den Ochsenhausener Mädchen war den Soldaten bei Todesstrafe verboten und so kam was kommen mußte, einer der Soldaten wurde hingerichtet und im Wald verscharrt. Das löste Empörung aus, dieses "Franzosengrab" wurde von der Bevölkerung mit einem Eisenkreuz versehen und mehr als anderthalb Jahrhunderte lang gepflegt, ich selbst habe es in meiner frühen Kindheit noch gesehen, aber ich vermute, daß ich es heute nicht mehr finden würde (siehe auch den Link "Franzosenkreuz" unter "Quellen und Verweise"). "Unter den Mönchen des ehemaligen Klosters Ochsenhausen bei Bieberach hatte der alte Haydn so gute musikalische Freunde, daß er 1803 dort länger als Gastfreund verweilte. Die Mönche baten ihn um eine Composition, und er setzte sich in guter Laune hin und componirte sechs Sprüchwörter: Aller Anfang ist schwer. Große Sprünge gerathen selten. Gleich und gleich gesellt sich gern. Jedem das Seine. Allzuviel ist ungesund. Ende gut alles gut. Die Composition ist für gemischte Stimmen und Haydns Laune und Genie spricht aus ihr. Von den 4 Stimmen: "Jedem das Seine" singt jede in anderer Tactart. Kaim hat Partitur und Stimmen veröffentlicht." Aus: "Wöchentliche Anzeigen für das Fürstenthum Ratzeburg" (s. Quellen). |