Ochsenhausen - Geschichte -
Focke
Hubschrauberbau der Firma Focke-Achgelis in Ochsenhausen
Im Fruchtkasten des Klosters von Ochsenhausen
und in versteckten Produktionsstätten im nahen
"Fürstenwald" wurden ab 1944 bis kurz vor
Kriegsende 1945 von der Firma "Focke-Achgelis"
entwickelte Hubschrauber gefertigt. Seit dieser
Zeit spricht der örtliche Volksmund bzw. der
alteingessene Teil der Bevölkerung, von der "Focke"
(weiblich), wenn der Fruchtkasten gemeint ist.
(Anmerkung: "Fruchtkasten" - dieses Wort für
die Focke lernte der Autor erst im
Heimatkunde-Unterricht kennen.)
Der Flugpionier Henrich
Focke [1] (* 8. Oktober 1890 † 25.
Februar 1979, beides Bremen - linke
Abbildung) stellte im Jahr 1936 mit der "Fw 61" den ersten voll einsetzbaren
Hubschrauber der Welt vor [2],
nachdem er zuvor mit von De La Cierva entwickelten
und lizensierten Tragschraubern experimentiert
hatte. Im abgelegenen oberschwäbischen Laupheim wurde jetzt die "Fa 223 Drachen" hergestellt, ein (in manchen Versionen leicht bewaffneter) Mehrzweck-Hubschrauber, der als Lasten- und Personen-Transporter sowie als fliegender Kran einsetzbar war. Der "Drachen" besaß eine voll verglaste Kanzel die hervorragende Sichtverhältnisse bot. Der Hubschrauber konnte bis zu 850 Kg Last tragen und erreichte Flughöhen bis 7000 Meter bei mehr als 180 Km/h Geschwindigkeit und einer Reichweite (ohne abwerfbare Zusatztanks) von 300 Km (700 Km). Sämtliche dieser Leistungsdaten sind erreichte einzelne Spitzenwerte, die Dienstwerte waren teilweise deutlich niedriger, doch erst im Jahr 1954 wurden manche der Flugleistungen dieser 1940 entwickelten Maschine von anderen Helikoptern übertroffen! Die "Fa 223" war weltweit der erste produktionsreife Hubschrauber, es wurden etwa 20 (andere Quellen sprechen von bis zu 40) dieser Fluggeräte hergestellt.[3] Einige wenige (etwa 9) Maschinen wurden bis Kriegsende zur Truppenerprobung ausgeliefert, doch waren wohl nie mehr als drei der Hubschrauber gleichzeitig einsatzfähig. Unter den 26 ausgebildeten Piloten dieser Maschinen sind besonders Bode, Dumke und Gerstenhauer namentlich zu erwähnen. Drei gerade fertig gestellte "Fa 223" wurden während eines Luftangriffs auf den Flugplatz Laupheim am 19.07.1944 zerstört, weshalb die Produktion und die Entwicklungsabteilung wiederum, und zwar ins nahe Ochsenhausen, verlagert wurde (am 07.08.44). Es entstand das "Werk 11", dessen technisches Büro von Focke selbst geleitet und das im Fruchtkasten eingerichtet wurde. Am Waldrand in einigen hundert Metern Entfernung wurde eine Produktionshalle sowie ein betonierter Startplatz gebaut. Auch in Berlin/Tempelhof wurde eine zusätzliche Produktionsstätte (Weser-Flugzeugbau) eingerichtet. Die Fertigung der ebenfalls von Focke entwickelten und gebauten winzigen Schlepp-Tragschrauber ("Fa 330 Bachstelze"), die in ca. 100 Exemplaren auf U-Booten als Aufklärer zum Einsatz kamen, verblieb in Delmenhorst, da man bei Luftangriffen diese motorenlosen Autogiros einfach in den Bunker tragen konnte. Je bedrohlicher die Kriegslage wurde, desto mehr Kapazitäten und Konstrukteure wurden von anderen Projekten, auch vom Hubschrauberbau, abgezogen, um die Entwicklung von "Wunderwaffen" (Infrarotgesteuerte Luftabwehr- und Luft-Luftraketen etc.) voranzutreiben. Focke verblieb jedoch mit einer kleinen Kerntruppe in Ochsenhausen und setzte seine Arbeiten fort. An die Verwirklichung der geplanten zivilen Version, der Fa 266 war unter den gegebenen Umständen natürlich nicht zu denken. Mit einer "Fa 223" flog der Testpilot Hans-Helmut
Gerstenhauer, nach dem Ende der Kampfhandlungen im
Jahr 1945, von Ochsenhausen erst nach Frankreich,
dann im Auftrag der Engländer, die diese Maschine für
sich beanspruchten, nach Britannien und überquerte damit als erster
Pilot eines Helikopters den Ärmelkanal [4]. ![]() Die Focke (oder der Fruchtkasten) Henrich Focke, der mit seiner ganzen Familie nach
Ochsenhausen gezogen war, übersiedelte erst 1948
wieder nach Bremen. Dort baute er noch 1960, im Alter
von nun bereits 70 Jahren, in der Bremer Innenstadt
den heute so genannten Focke Windkanal, ein noch immer voll
funktionsfähiges Versuchlabor zur Flugzeugerprobung,
wo er bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1979
aerodynamische Studien betrieb. Doch war Focke nicht der
Erste der ein Fluggerät in Ochsenhausen baute.
Denn schon im Jahr 1928 wurde hier der örtliche
Luftsportverein gegründet, dessen
Piloten sich bereits nach einiger Zeit mit einem
selbst gebauten Segelflugzeug, der "Möwe", in die
Lüfte erhoben. ;-) Nachbemerkung Fruchtkasten in
der Abenddämmerung (1979)
Die Flugzeugtypenkürzel waren während der Nazizeit vom RLM einer genauen Norm unterworfen. Bis auf zwei Ausnahmen, wurde bei allen Herstellerkürzeln der zweite Buchstabe klein geschrieben, z. B. Me, He, Fw etc. Eine Trennung durch einen Bindestrich zur Typennummer gab es auf deutscher Seite nicht, die Typenbezeichung unten zur Abbildung 2 ist also historisch falsch. Allerdings wird heute von manchen Autoren das Kürzel bei Flugzeugherstellern, deren Firmenname sich auf zwei Flugpioniere gründet, bewusst insgesamt groß geschrieben. Also zum Beispiel FW für Focke Wulf oder FA für Focke Achgelis, denn schließlich, so die Begründung, waren Georg Wulf und Gerd Achgelis ja ebenfalls bedeutende Flugpioniere. Und, weshalb sollte man sich heute noch an irgendwelche Verordnungen des von den Nazis geleiteten RLM halten müssen? Quellen (Mit Fotos der Geräte): [1] Zum Lebenslauf von Henrich Focke siehe auch Focke-Windkanal [2] Quelle: www.fw61.de [3] Quelle: www.answers.com/topic/focke-achgelis-fa-223-drache [4] Quelle: Rotorblatt 2001 03 Herzlichen Dank an Karl Kössler für Berichtigungen und Hinweise sowie an Dr. Kai Steffen für die Veröffenlichungsgenehmigung und Überlassung der Fotos von H. Focke © soweit nicht anders vermerkt: Peter Engelhardt Gültig ist die jeweils aktuelle Version unter http://ochsenhausen.net/info/historie/focke.php Erstveröffentlichung Ende November 2006 auf http://home.arcor.de/engelhardt.peter/ Weitere Webseiten: Hubschrauber bei Wikipedia Fw 61 bei Wikipedia Fa 223 bei Wikipedia Hidden wings sammelt historisch wertvolles Luftfahrtmaterial. (Mit Fotos aus Ochsenhausen) Fotos und Technik der Fw 61 bei Luftarchiv.de Fotos und Technik der Fa 223 bei Luftarchiv.de Weitere Fotos der Fa 223 im Hubschraubermuseum Videos auf youtube.com: TOP 10:Helicopters - Focke-Achgelis FA223 Drache (NO.9) The Focke-Achgelis Fa 223 Drache ("Dragon") was a helicopter developed by Germany during World War II... Transporthubschrauber FA-223 Der Wehrmachtsfilm stellt den Transporthubschrauber FA 223 im Gebirgseinsatz vor. Ohne Ton. 1960 Bildnachweis (von oben nach unten, Fotos die nicht vom Autor selbst stammen, sind verlinkt): Abbildung 1:
Professor Henrich Focke - Mit freundlicher
Genehmigung von Dr.-Ing. Kai Steffen, Webseite
(u. a. mit Lebenslauf von H. Focke): www.focke-windkanal.de Abbildung 2:
Focke-Wulf Fw 61 Quelle: Wikipedia "Hanna Reitsch fliegt mit der Fw 61 V2" Das hier ursprünglich abgebildete Foto der Fw 61: "Focke-Wulf Fw-61 aus der englischen Wikipedia" wurde ausgetauscht, da die Wikipedia-Lizenz geändert wurde. Abbildung 3:
Die Fa 223 V 11 während der Erprobung in Travemünde
- Source: Karl Kössler Abbildung 4:
Henrich Focke mit Modell der Fa 223 - Mit
freundlicher Genehmigung von Dr.-Ing. Kai
Steffen, Webseite (u. a. mit Lebenslauf von H.
Focke): www.focke-windkanal.de Abbildung 5:
Die Focke (oder der Fruchtkasten) - 2006
Peter Engelhardt Abbildung 6:
Abendstimmung über dem Fruchtkasten - 1979
Peter Engelhardt
Links zur Geschichte der Hubschrauber: 1922 Oehmichen stellt den ersten Helicopter vor Der Spanier Juan De La Cierva entwickelt 1923 den ersten einsetzbaren Tragschrauber (Autogiro). Außer Focke (1940) und Sikorski (1944) entwickelte während des Krieges auch Flettner (1942 mit "Flettner-Doppelrotor") serienreife Hubschrauber, die bei der deutschen Marine als Bordhubschrauber zur Aufklärung und bei der U-Bootbekämpfung eingesetzt wurden. Bis zum Jahr 1975 forschte Henrich Focke in seinem Bremer Windkanal u. a. an aerodynamischen Problemen bei Hubschraubern. |
Pressemeldungen zum Thema Focke in Ochsenhausen |
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DIE ZEIT - Nachrichten auf ZEIT
ONLINE: Automatisch digitalisierter Artikel aus Nr. 46
vom 18.11.1954 "Vater des Hubschraubers" "Mit den Masern fing es an. Als ich mit dieser Kinderkrankheit als Sechsjähriger im Bett lag, brachte mir mein Vater ein neumodisches Spielzeug, einen Luftschmetterling, ein propellerartiges Blechblättchen, das, mit einem Gummiband hochgeschnellt, in Spiralen langsam auf den Boden zurücksank..." |
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szon am 19.01.2009 in: "Bürgerverein OX-21 verspürt
Rückenwind" ... "Unsere Projekte sind in der Regel langfristig angelegt", meinte Helmut Ferus als Sprecher des Arbeitskreises 4, "von unserer Arbeit ist deshalb in der Öffentlichkeit noch wenig zu sehen". Aber man sei hinter den Kulissen aktiv: die Wiederbelebung der Krone, die Reaktivierung des Eirisweihers bei Mittelbuch, der Ausbau des ersten Stocks im Fruchtkasten zu einem Focke-Museum, die kulturelle Belebung des Konventgartens werde intensiv betrieben... |